Veröffentlicht am 16.01.2006

17 Meter langes Jungtier war stark abgemagert - Forscher untersuchen Kadaver

Stralsund/Wismar - Erneut ist ein normalerweise im Atlantik beheimateter Wal vor der mecklenburgischen Ostseeküste gestrandet. Ein Angler fand das tote, rund 17 Meter lange und schätzungsweise 20 bis 25 Tonnen schwere Tier am Sonnabend auf einer Sandbank in der Wismarbucht. Der noch nicht geschlechtsreife Jungwal habe sich auf der Untiefe Lieps vor Tarnewitz bei Wismar festgeschwommen, sagte der Chef des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Erst im Sommer 2005 war in den Boddengewässern bei Rügen ein 17,10 Meter langer und 40 Tonnen schwerer toter Finnwal entdeckt worden.

Nach einer ersten Begutachtung des vom Spezialschiff "Arkona" nach Rostock geschleppten Kadavers handelt es sich laut Benke mit "95-prozentiger Wahrscheinlichkeit" nun erneut um einen Finnwal, der sich in die Ostsee verirrte. Dafür spreche die ein Meter lange, surfbrettartige Brustflosse. "Um ganz sicher zu sein, muß der Kopf des Tieres genau untersucht werde. Der liegt aber noch tief im Wasser und die Bordtechnik des Schiffes reichte nicht aus, um das Tier aus dem Wasser zu heben", erläuterte der Museumschef. Der Wal soll nun zunächst in Warnemünde bleiben. An diesem Montag werde entschieden, ob er dort mit Hilfe eines Mobilkrans aus dem Wasser geholt und im Tonnenhof des Wasser- und Schiffahrtsamtes von Spezialisten des Meeresmuseums zerlegt und untersucht wird. "Wir würden das gern bei uns in Stralsund machen, wissen aber noch nicht ob wir einen Schwimmkran dafür bekommen können", sagte Benke. Zudem erschwert Eis auf dem Strelasund den Transport des Kadavers. Zeitdruck bestehe nicht. "Um den Verwesungsprozeß brauchen wir uns bei diesen Temperaturen keine Gedanken zu machen."

Benke vermutet, daß das Tier zielgerichtet flacheres Wasser ansteuerte. "Das machen Wale, wenn sie erschöpft oder krank sind", erläuterte er. Das Jungtier sei außergewöhnlich mager, möglicherweise Indiz für eine Erkrankung. Aufschluß könne aber erst die Untersuchung von Organ- und Gewebeproben durch Experten der Forschungseinrichtung am Museum geben.

Das verendete Tier sei gut erhalten. Entdeckt worden war der Finnwal von einem Angler. Der Mann war am Sonnabend morgen mit seinem Boot auf dem Weg vom Anleger Wieschendorf nach Boltenhagen, als er fast auf das verendete Tier aufgefahren sei, erzählte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Wismar. "Das muß ein Schreck in der Morgenstunde gewesen sein."

Obwohl sich in den letzten Jahren immer wieder Finnwale in die Ostsee verirrten, werden tote Tiere relativ selten geborgen. Seit Beginn der Aufzeichnungen im 14. Jahrhundert wurden erst sechs tote Finnwale im südlichen Ostseeraum nachgewiesen. Solche Funde im Winter seien ungewöhnlich, sagte Benke. Normalerweise verirrten sich die Tiere eher in den Frühjahrs- und Sommermonaten in die Ostsee, wenn sie den Herings- und Sprottenschwärmen folgten.